Die Evangelische Kirchengemeinde Affaltrach trauert um Pfarrer i.R. Hans-Georg Steg

Predigt von Dirk Grützmacher bei der Trauerfeier am 30. Januar 2021

Liebe Familie und Freunde, liebe Angehörige und Verwandte, [liebe Kameraden und Kollegen,] liebe Nachbarn und Bekannte, liebe Gemeinde,

Hans-Georg Steg ist gestorben. Es kam nicht überraschend, dennoch ist der Moment, an dem wir feststellen müssen, nun ist er ganz hinübergegangen in die andere – für ihn neue und – für uns fremde Welt ein ganz eigenes Erleben.

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit 2. Timotheus 1:7

Diese Wort aus dem 2. Timotheus-Brief ist ihm in den letzten Monaten und Jahren immer wichtig gewesen.
Unverzagt in die Welt blicken, mit Mut sich in die Kraft Gottes stellen. Mit viel Besonnenheit hat er die Krankheit und das Sterben durchlebt und durchstanden. Wobei sich auch Momente des Frustes, des Ärgers, der Ungeduld eingeschlichen hatten. Seine Hoffnung auf ein Spenderorgan hat ihn lange standhaft sein lassen. Zur Transplantation ist es dann leider nicht gekommen.

Hans-Georg ist in Lauenau, bei Hannover, am Deister geboren und aufgewachsen. In der dortigen St-Lukas-Kirche konfirmiert. In seinem Pfarrer fand er einen väterlichen Freund. Vermutlich ist das Wort aus dem 2. Timotheusbrief auch sein Konfirmationsspruch.

In seiner Familie wurde er streng erzogen. Er sollte Kaufmann werden und den Familienbetrieb eintreten. Doch das war etwas was er sich mit seiner Vorliebe für Theologie und Musik nicht hatte vorstellen können. Auf dem Sterbebett gestand er seinem früh verstorbene Vater, dass sein Weg ein anderer sein würde. Seine Eltern hatten sein musikalisches Streben nach Kräften gefördert und ihm ein Klavier zu Hause, nach langem Sparen, zur Verfügung stellen können.

Beim Theologiestudium in Tübingen auf einem lateinamerikanischen Fest seid ihr, liebe Monika, Euch begegnet. Das Tanzen brachte Euch näher. „Die gefällt mir“ stellte er fest. Umgekehrt war es wohl auch so, denn ihr habt zusammengefunden. Der alte Käfer von Jürgen Moltmann hat Euch eine Zeit des Lebens begleitet: grün mit roten Punkten, und weißem Kotflügel.

Wie gut, dass die württembergische Landeskirche ein Einsehen hatte und den Hannoveraner in den Dienst übernahm. So konnte Ihr zusammen nach Stuttgart-Freiberg gehen. Nach dem Vikariat ging es als Pfarrverweser – so hießt das damals – nach Gerlingen. Hier habt ihr dann geheiratet, liebe Monika. Die nächste Station war dann Leinfelden-Unteraichingen.

Hier wächst die Familie, und Ihr die Kinder bereichert das Leben. Vieles hat der Papa mit Super-8- und VHS-Filmen dokumentiert. In den letzten Wochen und Monaten konntet ihr auf das Leben zurückblicken, habt viel gelacht und erinnert. Gut, dass es diese Zeugnisse einer im Rückblick wunderbaren Zeit gibt.

Die Erinnerung an das gemeinsame Tun und Lassen hat nochmals gezeigt, dass Du, liebe Monika, und Hans-Georg ein gutes Team ward. Deine Entscheidungen für Familie und die Mitgestaltung der Dienstes deines Mannes hat das Leben spannend und reich gemacht.

1992 kommt ihr als Familie nach Affaltrach ins Pfarrhaus. Ein neues Kapitel der Familie und der Gemeinde wird aufgeschlagen. 23 Jahre Dienst an einem Ort. Die Worte des Konfirmationsspruch haben ihn auch hier getragen.

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit 2. Timotheus 1:7

Die Familie wird nach und nach größer, die Partner*innen kommen zu Euch den vier Kindern hinzu. Dann auch Ihr die Enkelkinder. In großer, unverzagter Liebe hat der Papa, der Opa, die jüngsten Enkelkinder in „seiner“ / „Eurer“ Johanneskirche noch taufen können. Das jüngste erst wenige Wochen alt.

Hans-Georg war immer gerne sozial und demokratisch unterwegs. Hatte ein offenes Ohr und einen wachen Verstand für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort und in der Welt. Das friedliche Miteinander der Religionen, Konfessionen und Kulturen war ihm immer ein Anliegen.

Seine Liebe zur Musik hat er an Euch die Kinder weitergeben und gefördert. Bei ausfallenden Organist*innen ward ihr dann gleich gerufen, die Gottesdienste mitzugestalten. Auch bei anderen Anlässen waren die Instrumente stets zur Hand. Danke Euch dafür.

Die Gitarre im Gottesdienst, die Bouzouki privat in der Hand, Hans-Georg liebte die Musik. Dabei war nicht auf eine Stilrichtung oder Zeit beschränkt. Die Vielfalt machte es. Dazu kam sein Interesse an Literatur und Philosophie. Theologische Fragen beschäftigten ihn bis zum Schluss.

Hier in der Kirchengemeinde sind wir ihm dankbar für sein Engagement für die Gemeinde und die Menschen in ihr.
Kinderkirche und Aussiedler*innen, die Verbindung zur Synagoge und die Arbeit mit Migranten, Männerkreis und Literaturkreis, um nur wenige Punkte zu benennen. Manches Engagement auch über die Ruhestand hinaus.
DANKE, lieber Hans-Georg.

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit 2. Timotheus 1:7

Nehmt dieses Wort mit. Es ist ein kleines Vermächtnis mit viel Kraft zum Leben. Amen.

Nachruf von Birgit Purzel

Liebe Monika, liebe Kinder, sehr geehrte Trauergemeinde,

es ist schwer und eigentlich unmöglich, die 23 jährige Amtszeit eines Gemeindepfarrers, in ein paar Sätzen  zu würdigen. Auch wenn seine Bestattung heute nur im kleinen Kreis stattfindet, wollen wir nicht vergessen, welche Spuren Hans-Georg Steg hier hinterlassen hat. 20 Jahre davon durfte ich mit ihm zusammen arbeiten. 5 Jahre ist es nur her, seit die Kirchengemeinde Affaltrach ihren Pfarrer Hans-Georg Steg in den Ruhestand verabschiedet hatte.

Damals freute und feierte die ganze Kirchengemeinde mit ihm, weil ja dieser neue Lebensabschnitt eine gute Zeit werden sollte. Reisen, E-bike fahren, Berg wandern, Enkel besuchen ... so vieles stand auf seinem Plan für diese kommende Zeit. ...

Die engen Mitarbeiter wussten schon am Anfang seiner Amtszeit dass er immer mal wieder nach Tübingen zur Untersuchung fuhr, ... die Leber war es, die Ihm Beschwerden machte.

Auch deshalb war er kein Pfarrer den man bei „feuchtfröhlichen  Festen“ traf, dafür aber gerne Gast bei Feiern war, wo es lustig zuging , musiziert und gesungen wurde. 

Er wusste aus eigener Erfahrung wie wichtig und wertvoll die Gesundheit ist ,  auch deshalb  hatte er so ein  großes Interesse und eine Empathie für seine Mitmenschen und auch seine Mitarbeiter, gerade wenn es bei denen gesundheitlich mal nicht so gut bestellt war – er fragte mit ehrlichem Interesse immer wieder nach, gab Tipps und Ratschläge.

Es gäbe viel aufzuzählen, was Hans-Georg Steg hier als Gemeindepfarrer geleistet und auf den Weg gebracht hat, einiges davon haben wir ja in der Ansprache bereits gehört.

Seelsorge, Gottesdienste, Baumaßnahmen, Begleitung von Gruppen und Kreisen, Seniorenbesuche, meditatives Tanzen, Gemeindefeste, Synagogenverein, Ökumene, wunderbare Gemeindeausflüge, Ausbildungsvikare, Konfirmandenarbeit, Kirchengemeinderat ... und noch vieles mehr ,wäre es wert,  hier dankbar aufzuzählen. 

Viele Familien hat er über mehrere Generationen hinweg „in Freud und Leid“  begleitet. Wie in meiner Familie,  von der Beerdigung der Großeltern, über Taufe und Konfirmation meiner Kinder  bis zur Beerdigung des Vaters ... Er kannte die Menschen und ihre Lebensgeschichten – und ich weiß, viele von ihnen sind in Gedanken jetzt  bei ihm.

Seine große Stärke lag in der Anteilnahme und Seelsorge bei kranken Gemeindegliedern und bei Trauerfamilien. Immer wieder erzählt man davon,  wie tröstlich und hilfreich seine zahlreichen Gespräche und Besuche waren.

Auch die Predigt am Sonntag war immer gut vorbereitet – Verkündigung war ihm sehr wichtig -  ihm war wichtig dass die Gottesdienstbesucher etwas mit nach Hause nehmen konnten.

Schwäche zeigen oder  gar  „kleinbei“  geben, ... das war überhaupt nicht seins! Wen wundert es dann,  dass er alle Reserven und Kräfte mobilisiert hat, um noch Selbst seine beiden jüngsten Enkelkinder in der Johanneskirche zu taufen. Als er uns das Lied  „Ich steh an deiner Krippe hier"  singen ließ, spürte man die Stärke seines großen Glaubens , wie bereit er war für das was kommt und wie er getragen war.

Sicher war das Lied von ihm gut ausgesucht und durchdacht!  

Ich steh an deiner Krippe hier, oh Jesu du mein Leben, 
ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut,
nimm alles hin, u
nd lass dir´s wohl gefallen.

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht, Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht,
wie schön sind deine Strahlen.

 

Liebe Monika,
für uns warst du, an Hans-Georgs Seite, die gute Seele im Pfarrhaus, jetzt warst du die gute Seele im Ring 3 - ihr habt die schwere Zeit der Krankheit gemeinsam durchgestanden.   Wir wünschen dir viel Kraft und Gottes Segen für die kommende Zeit. 

Im Namen der evangelischen Kirchengemeinde Affaltrach bedanke ich mich bei Hans-Georg Steg  für all sein Tun und Wirken. Wir verabschieden einen großartigen Seelsorger und Freund.

Lieber Hans-Georg, möge Gott unser Herr dich in seinen Frieden aufnehmen.

Ruhe in Frieden